
Das gibt es leider: Menschen im Team oder im persönlichen Umfeld, die einem durch ihre spezielle persönliche Art einfach auf die Nerven gehen.
Und trotzdem muss man mit ihnen zurechtkommen.
Wie schafft man es, ruhig zu bleiben und einen guten gemeinsamen Weg zu finden, ohne sich dabei zu verbiegen?
Vielleicht kommt Ihnen diese Situation bekannt vor:
Tanjas große Stärken sind PRESTIGE und WACHSAMKEIT. Sie setzt hohe Standards für sich und andere und kümmert sich darum, dass sie eingehalten werden. Sie prüft immer, dass ihre E-Mails auch top aussehen und alle Details stimmen, bevor sie sie versendet.
Die Top-Stärken von Markus sind INNOVATION und POWER. Er denkt weit voraus und handelt schnell, wenn ihm etwas Gutes einfällt. Er ist der Typ, der E-Mails auch mit Tippfehlern versendet, weil es ja vor allem auf die Idee und das Große-Ganze ankommt, nicht auf Grammatik oder Zeichensetzung.
Tanja findet Markus nachlässig und chaotisch.
Markus empfindet Tanja als Bremserin, die Dinge unnötig lange aufhält.
Nichts davon ist falsch. Beide haben recht. Aber das ist leider genau das, was die Zusammenarbeit im Team so schwierig sein lässt.
Das, was Markus so wertvoll macht, ist seine Fähigkeit, Chancen zu sehen und einfach schnell damit loszulegen. Das ist aber auch, was Sarah auf die Palme bringt.
Sarah dagegen sorgt immer dafür, dass nichts übersehen wird und nichts rausgeht, das nicht dem Qualitätsstandard entspricht. Doch Markus empfindet das als schrecklich einengend und bremsend.
Das, womit der eine so besonderen Mehrwert bringt, ist genau das, was den anderen so nervt.
Was steckt dahinter?
Ein Blick auf die Ergebnisse der Personen beim Stärkentests WIE DIE WELT DICH SIEHT hilft da ungemein weiter – und zwar insbesondere der Blick auf den „stillen Vorzug“.
Tanja hat als stillen Vorzug INNOVATION. Das, was sie selbst am wenigsten mitbringt, sieht sie bei anderen am kritischsten.
Der stille Vorzug von Markus ist PRESTIGE. Er kann einfach nicht verstehen, warum hohe Standards und Details so wichtig sind.
Und genau dieses Muster findet man sehr oft.
Der stille Vorzug
Der stille Vorzug ist die Stärke, die bei einer Person am wenigsten stark ausgeprägt ist.

Der stille Vorzug ist gewissermaßen wie ein blinder Fleck. Damit können Sie kaum etwas anfangen. Dort haben Sie am wenigsten Verständnis für andere und beurteilen Sie schnell negativ.
Nicht weil Sie intolerant sind. Sondern weil Sie einfach nicht klar sehen, welchen Mehrwert so etwas bringt – denn für Sie selbst ist es keine Priorität.
Wenn also jemand in Ihrem Team etwas tut, was Störgefühle bei Ihnen auslöst, dann ist das nicht eine persönliche Schwäche des anderen. Sondern eine Stärke, die Ihnen fehlt.
Als Tanja und Markus ihre beiden Stärkenprofile verglichen, fiel das sofort auf. Die Daten erklärten glasklar, wieso es diese Reibungspunkte zwischen ihnen gab.
Natürlich verschwanden damit nicht sofort diese Reibungspunkte. Aber sie interpretierten sie anders. Sie übersetzten die Stärken des anderen nicht mehr automatisch in etwas Negatives. Die Störgefühle ließen deutlich nach und ihre Beziehung verbesserte sich.
Besser verstehen, warum andere Sie nerven
Denken Sie an die Personen, die Sie besonders nerven. Könnte das daran liegen, dass sie genau das verkörpern, was Ihr stiller Vorzug ist?
Ihr stiller Vorzug |
Was Sie deshalb an anderen besonders nervt
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INNOVATION |
Wenn der andere schnell viele neue Ideen abfeuert, ohne sie durchdacht zu haben, oder bei der Umsetzung forsch und unsystematisch vorgeht |
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EMOTION |
Wenn der andere statt mit Fakten mit Gefühlen argumentiert und sehr sensibel oder gar emotional auf Situationen reagiert |
| POWER |
Wenn der andere sehr selbstsicher seine Meinung vertritt, Dinge ganz direkt und fordernd anspricht und dabei auch vor Konflikten nicht zurückscheut |
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PRESTIGE |
Wenn der andere sehr ehrgeizig ist, hohe Ansprüche an sich und andere stellt und im Wettbewerb immer unbedingt gewinnen will |
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STABILITÄT |
Wenn der andere vor allem auf das Bewährte setzt, an konservativen Lösungen und Strukturen festhält und Zuverlässigkeit in den Vordergrund stellt |
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TIEFGANG |
Wenn jemand wenig spricht, seine Gefühle für sich behält und seine Meinung erst sagt, wenn sie gründlich durchdacht ist |
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WACHSAMKEIT |
Wenn jemand sehr organisiert ist, alle Details genau kontrolliert und Risiken unbedingt vermeiden will |
Mit dem Störgefühl besser zurechtkommen
Der erste Schritt ist wie immer die Selbsterkenntnis:
„Ah – diese Person nervt mich, weil sie eine Art verkörpert, die mir nicht liegt.“
Der zweite Schritt ist dann Einsicht, dass Andersartigkeit auch einen Vorteil bringt.
Nur die allerwenigsten von uns haben alle 7 Vorzüge stark ausgeprägt. Alle anderen brauchen andere Menschen, um sie in ihren Stärken zu ergänzen.
In erfolgreichen Teams sind alle 7 Stärken gut vertreten. Also ist es gut, wenn ich mit anderen zusammenarbeite, die anders sind als ich und genau das mitbringen, was bei mir nicht so stark ausgeprägt ist.
Und der dritte Schritt ist die Bereitschaft, trotz der Unterschiede erfolgreich zusammenzuarbeiten.
Das heißt nicht, dass Sie sich verbiegen müssen.
Sondern es heißt, zu verstehen, dass die andere Person sich nicht so verhält, weil sie Sie ärgern will. Nein, sie ist einfach wie sie ist. Und Sie können davon profitieren, wenn Sie die Vorzüge dieser anderen Person nutzen und gelassener auf das andersartige Verhalten reagieren.
Als Team besser funktionieren
Die Daten aus dem Stärkentest können extrem hilfreich sein, um die Besonderheiten jeder Person im Team besser zu verstehen und damit als Team insgesamt besser zu funktionieren.
Denn ohne einen klaren Blick auf das Stärkenprofil jedes Teammitglieds läuft die Zusammenarbeit eher im Blindflug. Der Mehrwert jedes Einzelnen ist nicht klar transparent.
Und noch weniger versteht man, was andere am eigenen Verhalten stören könnte. Vielen ist nicht bewusst, dass die eigene Stärke von anderen, die diese Stärke nicht haben, schnell als Überdosis empfunden werden kann. Und dass dadurch das Risiko entsteht, sich gegenseitig zu nerven.
Egal ob im Job oder im Privatleben: Es ist oft ein richtiger Augenöffner, die Stärkenprofile nebeneinander zu legen. Dann gibt es den Aha-Moment. Und die Beteiligten sehen, wie sie im Zusammenspiel mehr erreichen können als alleine. Und die Reibungen in der Kommunikation lassen nach.
Mehr Information dazu, wie Sie innerhalb Ihres Teams zu besseren Lösungen finden, lesen Sie hier: Stärken stärken im Team
