Richtig loben – Wie Sie anderen wirklich ein gutes Gefühl geben

Veröffentlicht am
richtig loben Männer
© fizkes/Shutterstock.com

Gelobt werden und anerkannt werden – das ist eine tiefe Sehnsucht bei den meisten von uns.
Wir Menschen sind soziale Wesen, die Wertschätzung aus ihrer Gemeinschaft erfahren wollen.

Theoretisch wissen die Führungskräfte und Projektmanager das. Doch praktisch tun sich viele schwer damit, den Mitgliedern ihrer Teams diese positiven Gefühle zu vermitteln. Auch Kollegen untereinander sind nicht immer gut darin, sich gegenseitig zu bestärken.

Mir ging es in meinem letzten Unternehmen genauso. Da bekam ich von meinem Team öfter das Feedback, dass ich sie nicht genügend lobe, und habe damit erst mal ganz schön gekämpft.

Einerseits habe ich mich natürlich gefreut, dass mir meine Leute ehrlich rückgemeldet haben, wie ich als Führungskraft besser werden kann. Aber andererseits habe ich es einfach nicht verstanden! Meiner Meinung nach verteilte ich sehr oft Lob und äußerte mich positiv über Leistung und Beiträge der Einzelnen im Team. Und auch wenn ich das nach so einem Feedback noch häufiger tat, blieb trotzdem die Rückmeldung: „Du lobst uns viel zu wenig für das, was wir hier alles beitragen.“

 

Der falsche Fokus beim Loben

Was lief da falsch? Heute verstehe ich es, nachdem ich das System Wie die Welt dich sieht nutzen gelernt habe und verstanden habe, wie man effektiver kommuniziert.

Damals habe ich meine Mitarbeiter für das gelobt, was mir wichtig war. Mit meinen Vorzügen POWER und PRESTIGE liegt mir das große Bild am Herzen und ich will mit meinem Team ehrgeizige Ziele erreichen. Wann immer jemand konkret zu einer der Initiativen beigetragen hatte, mit denen wir das Unternehmen weiterentwickelt haben, war ich happy und habe dieser Person sehr viel positives Feedback gegeben. Auch im Kerngeschäft, zum Beispiel bei Erfolgen im Sales oder bei tollen Ergebnissen von Trainern bei ihren Kunden-Workshops, habe ich meine Leute immer kreativ und mit vielen Worten gewürdigt.

 

Der eigene blinde Fleck

Aber was ich nicht gemacht habe, ist mich auch explizit um die zu kümmern, die mit ihren Routinetätigkeiten in der Administration für das reibungslose Funktionieren unseres Geschäfts gesorgt haben. Ich habe diese Leute nicht spezifisch für ihre Vorzüge wie STABILITÄT und WACHSAMKEIT gelobt und den Mehrwert, den sie dadurch für uns bringen.

Ich bin nicht in am Ende der Woche zur Buchhaltung gegangen und habe gesagt „Mensch, toll, wie Ihr diese Woche wieder genauso wie letzte Woche pünktlich und zuverlässig alle Rechnungen geschrieben und die Überweisungen fehlerfrei ausgeführt habt! Ohne Eure Verlässlichkeit würden wir hier unser Geschäft nicht so erfolgreich führen können – vielen Dank!“ Ich habe mir nicht die Zeit genommen, die Trainingskoordinatoren regelmäßig dafür zu loben, dass sie genau wie immer alle Trainingsunterlagen rechtzeitig und vollständig an die Kunden verschickt haben und wir deshalb auch so gute Bewertungen zu unserem Kundenservice bekommen haben.

STABILITÄT ist mein stiller Vorzug, Routinetätigkeiten sind wie Treibsand für mich und rauben mir Energie. Deshalb hatte ich auch kein besonderes Augenmerk auf die gelegt, deren Stärken genau darin bestanden, diese Standardarbeiten zuverlässig zu erledigen.

 

Die Andersartigkeit genauer in den Blick nehmen

Erst durch die Arbeit mit Wie die Welt dich sieht wurde mir klar, dass ich einseitig nur Anerkennung für das gegeben hatte, was meinen Vorzügen entsprach – anstatt jede Person für ihren besonderen Beitrag zum Team wertzuschätzen.

Heute habe ich gelernt, den Mehrwert aller Vorzüge im Team klarer zu sehen und zu benennen. Nun finde ich auch konkrete lobende Worte für die Qualitäten, die ich selbst nicht besitze. Und damit treffe ich ins Herz der anderen.

Jemand, der den Vorzug STABILITÄT hoch ausgeprägt hat, freut sich einfach darüber, wenn er hört „Klasse, wie Du diese Sache so konstant immer wieder in bewährter Weise zuverlässig erledigst!“ Die Leute fühlen sich damit in ihrer Besonderheit wahrgenommen und geschätzt. Diese Art von Lob kommt richtig gut an!

 

Der fehlende Baustein für effektives Loben

Ich bin froh, dass ich diesen fehlenden Baustein für effektives Führungsverhalten für mich entdeckt habe.

Richtiges Loben bedeutet, den anderen ein gutes Gefühl zu geben, indem man anerkennt, was sie aus ihrer Brille heraus als wertvoll schätzen!

In der Zwischenzeit habe ich diese Tipps natürlich an viele Führungskräfte und ihre Teams weitergegeben und immer wieder erlebt, dass damit die Atmosphäre in der Zusammenarbeit schlagartig verbessert werden kann.

Loben ist ja nicht nur eine Sache zwischen Führungskraft und Mitarbeiter, sondern auch zwischen den Teammitgliedern untereinander oder sogar in Beziehungen mit Kunden!

 

3 Tipps für richtiges Loben im Team

Hier sind zusammengefasst drei ganz konkrete und einfache Tipps, wie Sie anderen Ihre Wertschätzung vermitteln können:

 

  1. “Die macht das so anders als ich” – Die spezifischen Stärken der anderen klar sehen

Achten Sie darauf, wo die anderen im Team anders vorgehen als Sie selbst. Machen Sie sich bewusst, dass nicht alle dieselben Vorzüge wie Sie selbst mitbringen. Versuchen Sie zu erkennen, welche Stärken die anderen Teammitglieder einbringen.

 

  1. “Mein Weg ist nicht der einzig richtige” – Den Mehrwert der Andersartigkeit erkennen

Sehen Sie sich genau an, welchen Wertbeitrag die anderen jeweils mit ihrer Vorgehensweise und ihrer Persönlichkeit bringen. Teams mit diversen Vorzügen performen im Regelfall besser als homogene Teams. Suchen Sie explizit nach dem, was die anderen ergänzend zu Ihnen einbringen. Überlegen Sie sich, was im Team fehlen oder schiefgehen würde, wenn einer dieser anderen Vorzüge fehlte. Schätzen Sie diese Andersartigkeit!

 

  1. “Was Du echt toll machst” – Lob in der Sprache des Gegenübers ausdrücken

Je besser Sie verstehen, was die anderen Vorzüge ausmacht, desto leichter wird es Ihnen fallen, dies auch in Worte zu fassen und andere dafür zu loben, auch wenn diese andere Art selbst nicht Ihrem Naturell entspricht. Ein paar Beispiele dazu:

  • Jemand mit dem Vorzug … freut sich über ein Lob wie:
       
    INNOVATION „Du bringst immer so kreative neue Ideen ein und zeigst uns neue Wege auf.“
      
    EMOTION

    „Du schaffst es so wunderbar, uns mit Deiner Begeisterung anzustecken und uns für unsere Ziele zu motivieren.“

    POWER

    „Gut, dass Du uns immer auf Kurs hältst. So verlieren wir nie den Fokus auf das Große und Ganze.“

    PRESTIGE „Dein Ehrgeiz hilft uns allen, hohe Ziele zu erreichen. Wir profitieren echt alle davon, dass Du uns zu so hohen Standards anstachelst.“
      
    STABILITÄT „Dank Deiner Zuverlässigkeit können wir immer gut abliefern. Für die Loyalität unserer Kunden ist das ein ganz entscheidender Baustein!“
      
    TIEFGANG „Gut, dass Du immer erst analysierst, was Sache ist. Das hält uns davon ab, vorschnell unüberlegte Schritte zu machen.”
      
    WACHSAMKEIT „Ohne Deinen Blick auf Details wären wir nicht so erfolgreich. Du hilfst uns, Probleme schon im Vorfeld zu erkennen und zu verhindern.“

 

Mehr Tipps und praktische Beispiele dazu gibt es in unserem nächsten Webinar “3 Schritte zum starken Team – Diversität im Team erfolgreich nutzen”.