
Die eine Sache ist, die eigenen Stärken zu kennen. Die andere ist, anderen davon zu erzählen und sie damit zu überzeugen – sei es in Karrieregesprächen, Bewerbungssituationen oder Kundenmeetings.
Gerade die eher introvertierten oder bescheidenen Menschen fürchten beim Selbstmarketing, dass die anderen sie schnell für Angeber, Egomanen oder unangenehme Dampfplauderer halten.
Trotzdem gehört es zu den grundlegenden Sozialkompetenzen im Job, sich selbst zu beschreiben und im richtigen Augenblick in ein positives Licht setzen zu können. Denn wenn Sie Ihre Stärken nicht klar kommunizieren, können Sie auch nicht erwarten, dass andere sie deutlich sehen!
Was ist also eine elegante Art, den eigenen Mehrwert rüberzubringen, ohne dabei wie ein Aufschneider zu wirken?
Zum Beispiel Thomas, der „Bogenschütze“
Einer meiner Bekannten, nennen wir ihn Thomas, ist gerade zweimal bei Beförderungsrunden übergangen worden. Daraufhin bewarb er sich bei mehreren anderen Unternehmen, die ihn auch zu Interviews eingeladen haben. Doch dort landete er bisher ebenfalls keinen neuen Job.
Thomas ist hochtalentiert, sehr systematisch, immer konzentriert und liefert Top-Ergebnisse ab. Dabei ist er eher leise und beobachtend. Er hört erst mal zu, bevor er spricht.
Seine beiden stärksten Vorzüge sind TIEFGANG und WACHSAMKEIT. Er ist ein typischer Vertreter des Archetyps „Bogenschütze“. Er zielt ruhig und sorgfältig, bevor er schießt. Und trifft dann genau ins Schwarze. Es ist eine absolute Bereicherung, ihn im Projekt zu haben!
Aber es ist ihm unangenehm, sich und seine Leistungen in den Vordergrund zu stellen. Er überzeugt lieber durch wohlüberlegte Lösungen und zielgerichtetes Handeln. Nur punktet er damit eben zu wenig, wenn es um Beförderungen oder Jobangebote geht. Denn in diesen Gesprächssituationen geht es natürlich stark auch darum, den eigenen Mehrwert schnell, prägnant und selbstsicher zu kommunizieren.
„Das liegt mir einfach nicht“
Schon oft habe ich mit ihm darüber gesprochen, dass er seine Karrierewünsche und seinen Wertbeitrag klarer ansprechen muss, wenn er die Entscheider von sich überzeugen will. Doch genau das fällt ihm so schwer. Es entspricht einfach nicht seinem Naturell, selbstbewusst all seine Vorzüge aufzuzählen und „sich anzupreisen“.
Aber er will unbedingt vorankommen, anspruchsvollere Aufgaben übernehmen und sein hervorragendes Können unter Beweis stellen. Was kann er also tun?
Weniger direkt über sich selbst sprechen ….
Was unserer Erfahrung bei mynds Consulting nach in dieser Situation sehr gut funktioniert, ist nicht direkt über das eigene Ich zu sprechen.
Alle Sätze, die mit „Ich kann sehr gut …“ oder „Ich habe vor allem die folgenden Stärken…“ oder „Ich bin insbesondere …“ beginnen, fühlen sich für die eher introvertierten Menschen unangenehm und fast peinlich an. Sogar wenn sie sich dazu durchringen, diese Sätze zu sagen, wirken sie nicht sonderlich überzeugungskräftig. Das Unwohlsein dringt immer durch.
… und dafür mehr über den Mehrwert, den man anderen bietet
Wesentlich einfacher ist es, das Spotlight nicht auf das eigene Können zu richten, sondern auf den Nutzen, den man anderen damit bringt.
Zum Beispiel kann man statt „Ich kann sehr gut Zusammenhänge analysieren.“ auch sagen: „Meine Analysen helfen in Projekten dabei, die wesentlichen Zusammenhänge von vorherein immer gut im Blick zu haben.“ oder „Wenn Sie komplexe Aufgaben haben, dann helfen meine systematischen Analysen dabei, Klarheit zu schaffen und viele Probleme schon im Ansatz zu verhindern.“
Diese Aussagen gehen Thomas leichter von den Lippen als die „Ich“-Sätze. Sie fühlen sich nicht so ego-zentriert an.
Und gleichzeitig sind solche Botschaften extrem wirkungsvoll! Denn sie signalisieren ganz deutlich, dass man nicht nur sich selbst im Blick hat, sondern vor allem den Erfolg des Gegenübers.
Voraussetzung: Sich über den eigenen Nutzen für andere klar sein!
Diese Art der Selbstvermarktung ist allerdings etwas anspruchsvoller, als nur die eigenen Stärken aufzuzählen. Sie setzt voraus, dass man nicht nur die eigenen Vorzüge analysiert hat, sondern auch die besonderen Herausforderungen seines Gegenübers versteht und aufzeigen kann, welchen Nutzen der andere von den Stärken hat, die man einbringt.
Aber diese Analyse ist ja gleichzeitig etwas, was z.B. den TIEFGANG und WACHSAMKEIT Typen eher leichtfällt. Und damit besitzen sie einen ganz entscheidenden Wettbewerbsvorteil!
Und was ist mit den Extrovertierten?
Menschen mit z.B. viel EMOTION oder PRESTIGE macht es oft Freude, über sich selbst zu sprechen und bei anderen für die eigenen Ideen zu werben.
Doch auch die sind nicht immer erfolgreich dabei, andere für sich zu gewinnen. Denn oft schrecken sie andere mit ihrem starken und selbstbewussten Auftreten ab.
Von sich selbst überzeugt zu sein bedeutet längst noch nicht, auch andere zu überzeugen.
Gerade von Gegenübern mit viel TIEFGANG oder ruhiger STABILITÄT können sie schnell als unangenehme Überdosis empfunden werden.
Auch hier gilt: Weniger über sich selbst sprechen und dafür mehr über den Mehrwert, den man anderen bietet!
Wirksam kommunizieren bedeutet, sich der eigenen Wirkung bewusst zu sein
Sie wollen mit Ihren Stärken das Bestmögliche im Gespräch beitragen? Und sich dabei nicht verbiegen?
Dann denken Sie am besten als erstes darüber nach, wie Sie wohl auf Ihr Gegenüber wirken. Und das hängt vor allem davon ab, welcher Typ Ihr Gegenüber ist.
Sie sind ein TIEFGANG-Typ und treffen auf eine Person mit viel EMOTION?
Dann argumentieren Sie auf Ihre ruhige und überlegte Art – aber mit klarem Fokus auf die Aspekte, die dieser Person am Herzen liegen, nämlich Beziehungen, Gefühle und Gemeinschaft. Auch wenn das bedeutet, mal etwas länger Small-Talk zu machen als es Ihnen eigentlich lieb ist.
Sie sind eine Person mit viel EMOTION und treffen auf einen TIEFGANG-Typen?
Dann zeigen Sie ruhig Ihre Begeisterung – aber achten Sie sorgsam darauf, die andere Person nicht zu überfahren. Holen Sie auch mal Luft, machen Sie eine kurze Pause und geben Ihrem Gegenüber die Chance, nach kurzer Überlegung auch selbst zu Wort zu kommen und dann vor allem über die Sachebene zu sprechen.
Es ist wichtig, dass Sie eine klare Botschaft haben – und es ist genauso wichtig, dass Sie sich ganz bewusst darum kümmern, dass diese Botschaft auch richtig beim anderen ankommt.
Und das heißt, sich nicht nur über Ihre Ideen Gedanken zu machen, sondern auch über den Kommunikationsstil, mit dem Sie diese Ideen transportieren.
Je smarter Sie sich dabei auf den Kommunikationsstil Ihres Gegenüber einstellen, desto überzeugender werden Sie sein.
Mehr Information dazu, wie Sie innerhalb Ihres Teams besser kommunizieren, lesen Sie hier: Stärken stärken im Team
